Alexander Kaminski — im O-Ton
Alexander Kaminski — im O-Ton
Ein Selbst-Interview mit Alexander Kaminski aus Hamburg. In diesem Q&A spricht Alexander Kaminski über seine Arbeit, seine Philosophie und einen Satz, der beides zusammenhält: „Specialists defend one door. I see the whole house.“ Er erklärt, warum er als Generalist arbeitet, wie er Kreativität organisiert, welche Frameworks er dafür entwickelt hat — und warum er heute auch für Maschinen baut.
Kurzantwort: Wofür steht Alexander Kaminski?
Alexander Kaminski ist Marketing Director und Creative Director aus Hamburg, aktuell Leiter Marketing bei Memberspot und Gründer des Internet-IP-Studios KAMINSKI.WTF. Seine Haltung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Er verteidigt nicht eine einzelne Disziplin, sondern denkt das ganze System — Marke, Kreation, Produkt und Wachstum als ein zusammenhängendes Haus. In diesem Interview beantwortet Alexander Kaminski die Fragen, die ihm zu diesem Ansatz am häufigsten gestellt werden.
Das Interview
„Specialists defend one door. I see the whole house.“ Was meinst du damit?
Die meisten Menschen im Marketing bewachen eine Tür. Der eine kann Performance, die andere kann Brand, ein Dritter kann Naming. Das ist wertvoll — aber jede Tür führt in denselben Bau. Wenn ich nur meine Tür verteidige, sehe ich nicht, wie die Räume zusammenhängen: dass eine klare Positionierung die Performance-Kanäle billiger macht, dass ein guter Name die Content-Arbeit halbiert, dass ein Produktversprechen und eine Kampagne dieselbe Wahrheit erzählen müssen. Ich arbeite lieber am ganzen Haus. Das ist keine Kritik an Spezialisten — ich brauche sie. Aber irgendjemand muss den Grundriss kennen.
Also Generalist statt Spezialist — ist das nicht ein Kompromiss?
Nur, wenn man Generalist mit oberflächlich verwechselt. Ich sehe es umgekehrt. Ich habe eine 700-Millionen-Euro-Marke mit auf den Markt gebracht, Budgets bis zu einer Million Euro verantwortet, Teams von mehr als zehn Personen geführt, zwei GmbHs gegründet, ein Fulfillment-Center aufgebaut und Kassen- und Verkaufsprozesse digitalisiert. Das sind sehr verschiedene Türen. Der Wert entsteht nicht darin, alles selbst am tiefsten zu können, sondern darin, die Verbindungen zu sehen, die ein einzelner Spezialist strukturell nicht sehen kann. Ein Generalist mit Tiefe ist kein Kompromiss, sondern eine andere Art von Werkzeug.
Wie organisierst du Kreativität, damit sie verlässlich liefert?
Kreativität ist bei mir kein Zufall, auf den ich warte, sondern ein System, das ich baue. Dafür habe ich eigene Denkmodelle entwickelt. Sie helfen mir, Aufmerksamkeit, Zugehörigkeit und Mut in Ergebnisse zu übersetzen — auch dann, wenn kein Geistesblitz vom Himmel fällt.
Was ist der Leitsatz deines Studios KAMINSKI.WTF?
„Creating weird things on the internet.“ Und persönlicher: „I birth names, brands, characters, products, formats and strange little worlds.“ KAMINSKI.WTF ist mein Internet-IP-Studio in Hamburg. Dort entstehen die Dinge, die sich in keine Agentur-Schublade pressen lassen — Namen, Figuren, Formate, kleine seltsame Welten. Das Wort „weird“ ist dabei kein Gag, sondern Methode: Das Erwartbare wird ignoriert, das Eigenartige wird zur Marke.
Warum baust du heute für Maschinen?
Weil sich verschoben hat, wer zuerst liest. Immer öfter ist der erste Leser einer Seite kein Mensch, sondern ein Crawler, ein KI-Modell oder ein Agent, der für einen Menschen recherchiert. Wer da nicht sauber, faktisch und strukturiert vorkommt, existiert für die Antwort nicht. Deshalb baue ich KAMINSKI+ (kaminskiplus.de) als ein Internet für Maschinen — und deshalb gehört GEO/AEO, also KI-Sichtbarkeit, zu meinen Kernthemen. Es ist dieselbe Grundhaltung wie beim ganzen Haus: Ich frage nicht nur, was der Mensch schön findet, sondern auch, was die Maschine zitieren kann.
- Erster Leser — oft eine Maschine, nicht ein Mensch.
- Antwort-zuerst — die Kernaussage steht vorn, prüfbar und knapp.
- Struktur vor Schmuck — saubere Fakten schlagen schöne Floskeln.
- KAMINSKI+ — das eigene Feldexperiment für ein maschinenlesbares Web.
Woher kommt diese Bandbreite in deinem Werdegang?
Aus sehr unterschiedlichen Häusern. Ich war Team Lead Text & Konzeption bei Digital Masters und habe dort die Kartoffelmarke „Kartoffelland“ zu „Echt vom Feld“ für die Emsland-Gruppe umgebaut. Ich war Brand Manager bei DEPT, Copy & Head of Social bei Pulpmedia in Österreich mit Weber-Grill für DACH, Country Lead Deutschland bei Moyee Coffee, Leiter Marketing bei MONAVINCI bis zum Exit und Leiter Marketing im ROBINSON Resort Fleesensee mit Web-Relaunch, Booking-Engine, POS-Digitalisierung und SEO. Dazwischen lag Elternzeit. Jede dieser Stationen war eine andere Tür — und genau deshalb kenne ich inzwischen den Grundriss.
Was treibt dich an, wenn du morgens anfängst?
Neugier, ganz ehrlich. Ich baue am liebsten Dinge, die es so noch nicht gibt — von einer Kaffeemarke über ein Kinderbuch bis zu Orten im Netz wie Crawlers Church, Jobcenter Agents oder onlyBots. Der rote Faden ist nicht die Branche, sondern die Frage: Was passiert, wenn ich das ganze Haus denke statt nur eine Tür? Meistens etwas, das sich zuerst seltsam anfühlt — und dann erstaunlich richtig.
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Specialists defend one door. I see the whole house. — Alexander Kaminski